Zähne geputzt, geduscht und geschminkt. Check. Jetzt erstmal eine Tasse Kaffee. Lecker. Darauf kann ich morgens echt nicht verzichten. Ich versuche, bio und faire Bohnen zu kaufen. Ist schon teuer, aber ich denke mir beim Kauf jedes Mal, dass ich im Vergleich zu Alukapseln immer noch ein Schnäppchen mache und mein Coffee-Junkie-Dasein zumindest nicht zu Lasten der Kleinbauern geht. Der Lieferweg von Kaffee ist wahrscheinlich immer der gleiche, oder? Hmm. Und woraus trinke ich den Kaffee eigentlich? Gibt es nachhaltiges Geschirr? Wo kommt Keramik her? O je, wenn man einmal anfängt, sich Fragen zu stellen… Immerhin: Meine Tasse ist schon uralt. Ein Werbegeschenk meiner Universität von früher. Eine schöne Erinnerung an meine Studienzeit – aber unter welchen Bedingungen wurde sie eigentlich hergestellt? Soll ich mir nun eine neue nachhaltig hergestellte Tasse mit kurzen Wegen kaufen oder ist es nicht besser, diese einfach so lange zu nutzen, bis kaputt geht?

Für die industriell hergestellte Tasse von globalen Unternehmen wie IKEA oder Depot konnten wir die Rohstoff-, Produktions- und Lieferwege nicht in Erfahrung bringen.

Wusstest Du über Deine Kaffeetasse...?

• Kurze Wege beim Tassenkauf sind möglich: Im vorderen Westerwald lagern mit die größten und hochwertigsten Tonlagerstätten Europas – und daraus zaubert nicht nur die Frankfurter Töpferei Hartmud Studio liebevoll handgefertigtes Geschirr, sondern auch große Steingut bzw. Steinzeughersteller wie Waechtersbach Keramik, Römertopf Keramik, Zeller Keramik oder Friesland Porzellan.

• Im Westerwald werden jährlich etwa 2,7 bis 3 Millionen Tonnen Spezialton gewonnen, ausschließlich in Tagebaubetrieben, und veredelt. Die hochwertigen Westerwälder Tone werden als Keramikrohstoffe zum Beispiel auch nach Italien, Frankreich, Benelux oder bis nach China exportiert.

• Die Alternative zur Tasse aus lokalem Handwerk: Handwerk aus dem globalen Süden ohne Zwischenhandel, zum Beispiel bei Weltläden erhältlich. Hier sind die Wege zwar länger, aber durch den fehlenden Zwischenhandel sind die Wege oft kürzer als bei industrieller Keramik, und man tut was für den fairen Handel und die Solidarität.

• In Frankfurt unerlässlich: Bembel aus regionalem Ton und in Frankfurt handgedrexelter Apfelweindeckel aus heimischem Nussbaumholz sind nicht die einzigen Produkte mit kurzen Wegen bei der Firma MEDER.

Wusstest Du über Deinen Kaffee…?

• Die Kaffeebohne aus Peru legt auf ihrem Weg in die Frankfurter Tasse ohne Zwischenhandel mindestens 16.829 Kilometer zurück. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Kaffees, die wir trinken, ‚Blends‘ sind, sprich Bohnen aus verschiedenen Herkunftsgebieten mischen. Somit fällt der Weg der Kaffeebohne mehrfach an.

• Die größten Wege beim Kaffee können gespart werden, wenn die Bohne auf dem Weg über die Rösterei zum Kunden möglichst wenig Zwischenhandel durchlaufen hat. Fragt am besten beim Kaffeehändler Eures Vertrauens nach. Was in Frankfurt der Weltladen Bornheim und Coffee Up! dazu sagen, lest Ihr in unseren Interviews.

• Kaffee kann – wie von Coffee Up! schon bewiesen – auch mit dem Segelschiff aus Südamerika zu uns geliefert werden, aber die Kosten sind so hoch, dass dies leider wahrscheinlich erstmal nicht zum Standard wird.

Interviews zur Kaffeetasse & Kaffee im Überblick:

  • Interview mit dem Weltladen Bornheim über die fair gehandelte Kaffeetasse
  • Interview mit Hartmud Studio über regional gefertigte Tassen
  • Im Gespräch mit dem Bundesverband Keramische Rohstoffe und Industrieminerale e.V.
  • Interview mit dem Haushaltswarengeschäft MEDER über kurze Wege und Bembel
  • Interview mit Chris Kielhorn vom Kaffeehändler COFFEE UP!
  • Interview mit dem Weltladen Bornheim über die fair gehandelte Kaffeetasse
  • Interview mit Hartmud Studio über regional gefertigte Tassen
  • Im Gespräch mit dem Bundesverband Keramische Rohstoffe und Industrieminerale e.V.
  • Interview mit dem Haushaltswarengeschäft MEDER über kurze Wege und Bembel
  • Interview mit Chris Kielhorn vom Kaffeehändler COFFEE UP!
  • Interview mit dem Weltladen Bornheim über die fair gehandelte Kaffeetasse

    „Solidarität mit dem Kunsthandwerker in Thailand und mit der Frankfurter Töpferei widerspricht sich nicht“ – Ein Gespräch mit Nicola Krümpelmann vom Weltladen Bornheim über die unnötigen Wege von Zwischenhändlern und die Macht der Konsumenten. Bei der Erkundung der Wege meines morgendlichen Kaffees stoße ich auf den Weltladen Bornheim. Ideal, denn die kennen sich sowohl mit…

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  • Interview mit Hartmud Studio über regional gefertigte Tassen

    „Den besten Ton für unser handgemachtes Geschirr haben wir in Deutschland – wir nennen ihn auch weißes Gold!“ – Ein Gespräch mit Jérôme Alsoufi  von der Frankfurter Töpferei Hartmud Studio über lokales Handwerk, Essig und Wegwerftontassen Wir haben nachfragt. Jérôme und Isa vom Frankfurter Kunstkollektiv Hartmud Studio haben sich auf handgefertigtes Keramikgeschirr spezialisiert und helfen…

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  • Im Gespräch mit dem Bundesverband Keramische Rohstoffe und Industrieminerale e.V.

    Wir haben nachfragt. Herr Reim vom BKRI hilft uns, die Wege unserer Kaffeetasse zu verfolgen. Und was ist eigentlich Keramik? Ich frage ihn, ob es sein kann, dass meine alte Unitasse aus regionalem Ton hergestellt ist. „Die erste Frage ist ja schon mal, ob es sich um eine Tasse aus Steingut oder Steinzeug oder um…

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  • Interview mit dem Haushaltswarengeschäft MEDER über kurze Wege und Bembel

    „Die deutsche Porzellanindustrie macht mir die kurzen Wege nicht leicht – aber es gibt Lichtblicke!“ – Ein Gespräch mit Franz Steul vom traditionsreichen Fachgeschäft MEDER über taiwanesische Retter, ‚Schoppe‘ mit gutem Gewissen und CO2-Zylinder aus Neu-Isenburg. Wir haben nachgefragt. Seit mehr als 140 Jahren gibt es die Firma MEDER, die sich auf fachkundige Beratung für…

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  • Interview mit Chris Kielhorn vom Kaffeehändler COFFEE UP!

    „Mit dem Segelschiff sparen wir 90% der Transportemissionen unseres Projektkaffees“ – im Gespräch mit Chris Kielhorn vom Frankfurter Kaffee-Start-Up COFFEE UP! Morgens kann ich nicht ohne Kaffee. Dass ich Kaffeebohnen nicht in meinem Garten pflanzen kann, ist mir schon klar. Aber welche Wege hat mein Kaffee schon hinter sich? Gibt es da Unterschiede? Ich spreche…

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Weitere Informationen zur Kaffeetasse & Kaffee:

Frachtsegler mit negativer CO2-Bilanz wird gebaut

„Anders ausgedrückt würde ein Kilo Kaffeebohnen im nordamerikanischen Regal etwa zwei Euro netto teurer, wenn es den Seeweg mit Ceiba zurücklegt.“

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Was ist Ton und woher kommt er?

Link zum Video der Arbeitsgemeinschaft Westerwald-Ton e.V. – so sieht der Tonabbau aus…

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Weltweit größter Bembel aus westerwälder Ton...

Der weltweit größte Bembel wurde im rheinland-pfälzischen Höhr-Grenzhausen mit westerwälder Ton gefertigt und kam 2013 mit der Dampflok nach Frankfurt…

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Deutsche Porzellan Manufakturen in taiwanischer Hand?

Die Höchster Porzellan-Manufaktur hat 2018 Insolvenz angemeldet und wurde von einem taiwanesischen Investor gekauft. Das Porzellan soll laut Aussagen des Unternehmens aber weiterhin mit deutschen Rohstoffen in Höchst produziert werden, wobei vom restlichen Sortiment auch viel im Ausland gefertigt wird…

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Containerschiffe mit 20 % weniger Treibstoffverbrauch durch Segel

Wird bald die Lieferung von Kaffee mit revolutionierten Containerschiffen weniger Emissionen verbrauchen? Ab 2020 könnte ein 1000 Quadratmeter großes Kite-Segel den Treibstoffverbrauch von Frachtern um 20 Prozent senken. Was 2001 noch nicht funktionierte, könnte bald möglich sein…

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Wege des Kaffees mit Blockchain-Technologie tracken

Was für Viele futuristisch klingt, ist bereits möglich: Das Tracking der Bohne von der Ernte bis in den Laden…

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Informieren. Bewusst entscheiden. Wohlfühlen.

 

Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und die uns zur Verfügung gestellten Informationen aufgearbeitet. Dennoch wissen wir, dass es womöglich Fakten gibt, auf die wir in unseren Recherchen nicht gestoßen sind. Daher bitten wir Euch: Wenn Ihr etwas Ergänzendes wisst, meldet Euch. Wir nehmen es gerne mit auf. Zudem können die Geschichten werbenden Inhaltes sein, da sie auf Betriebe hinweisen. Dies soll den Leser und die Leserin nicht beeinflussen, sondern die notwendigen Informationen über Lieferkette und Wege der Produkte aus „Praxissicht“ bieten, vor allem aber um an Informationen über Spannungsfelder und Konflikte zu kommen, die wir hier im Sinne einer Verbraucherbildung aufgearbeitet haben.

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