Jetzt aber schnell. Kaffeetrinken und nachdenken lässt die Zeit verstreichen! Eieiei. Zügig packe ich meinen Kram und den meiner Kinder zusammen und schlüpfe in meine Lieblingshose. Ich habe sie ganz neu – von einem konventionellen Modelabel. War nicht besonders teuer, aber mir gefällt sie, was will ich mehr? Zugegebenermaßen weiß ich nicht, aus welchem Material sie ist und welchen Weg sie zurückgelegt hat. Ich schaue kurz mal auf dem Schild: “Made in Italy”, steht da. Okay, oder? Von den Arbeitsbedingungen in Bangladesh hat man ja schon gehört, aber es scheint, als hätte meine Hose noch keine Weltreise hinter sich bringen müssen. Andererseits war sie schon sehr günstig…

Wusstest Du über Second Hand und Altkleider...?

• Nicht nur beim eigenen Kleiderkauf kannst Du Wege sparen, sondern auch bei der weiteren Verwertungskette Deiner Lieblingsjeans. Wer Bedürftige unterstützen möchte, nicht neue Klamotten kaufen zu müssen, die wieder neue Wege produzieren, kann seine gut erhaltenen Klamotten spenden. Doch Augen auf: Gut erhaltene Kleidung aus deutschen Altkleidercontainern (ca. 25 %) wird oft an Secondhand-Läden in Deutschland oder Osteuropa weiterverkauft. Minderwertige, aber tragbare Klamotten (ca. 60 %) landet auf Märkten in Südamerika und Afrika. Was gar nicht zu gebrauchen ist (ca. 15%) wird zu Putzlappen oder Dämm-Materialien für Autos recycelt. Es gibt aber auch Studien des Fachverbands FairWertung, die besagen, Kleiderspenden hätten sogar einen positiven Einfluss auf die Entwicklungsländer… Hier findest Du Tipps, wie Du über den für Dich richtigen weiteren Weg Deiner gebrauchten Klamotten entscheidest. Mehr auch von Fairhelfen.

Und das sind die Wege der Altkleidercontainer:

• Woher bekommt das Secondhand Geschäft die Kleidung? Überwiegend, zur ca. 90% von privat. Der Rest kommt häufig aus Geschäftsauflösungen und Überbestellungen.

• Mittlerweile gibt es Kleidertauschpartys und Cafés, eine Übersicht findest Du hier

• Die Second Hand Boutique „Jacke wie Hose“ wird in Kooperation mit dem AWO Ortsverein Bahnhof-Gutleut um eine Näh- und Handarbeitsstube erweitert. In der „Strickliesel“ soll es ab Ende März möglich sein, Kleidung abzuändern und ins Gespräch mit der Nachbarschaft zu kommen. Mehr dazu hier, auch Events zum Selber Nähen sind wieder modern. Das nächste Nähcafé findet am 18.3. statt…

Wusstest Du über die Modeindustrie...?

• Made in Italy by China. In der italienischen Stadt Prato hat sich eine Textilstadt für ‚pronto moda‘ entwickelt, in der von Chinesen der europäische Textilmarkt bedient wird. Geringere Lieferwege von 700 km im Vergleich 13.000 Seemeilen aus China – und die Stadt, die einst aufgrund der zunehmenden Produktion in Asien am Boden lag, prosperiert durch die Steuereinnahmen. Aber zu welchen Kosten? Hintergrundinfos zu den Vor- und Nachteilen kannst Du hier nachlesen und anschauen:

• Bei First Hand Mode erlauben scanbare QR Codes am Kleidungsstück bei einigen Labels bereits die Nachverfolgung der Wege bis zum Rohstoffabbau.

• Ein ergänzendes Modell ist die Stärkung der Kreislaufwirtschaft: 73 % unserer Modeprodukte landen im Abfall, nachdem sie „ausgetragen“ wurden. 12 % der getragenen Materialien werden downgecycelt, beispielsweise zu Füllmaterial. Deshalb führen Start-ups wie circular.fashion ein anderes scannbares Label – die circularity.ID – ein, über das Kunden und Kundinnen die Wege ihrer Kleidungsstücke vom Rohstoff über den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Recycling verfolgen können.

• „Die Lieferkette für Bekleidungsprodukte ist außerordentlich diversifiziert. Alleine an der Herstellung eines Herrenoberhemdes sind einschließlich Logistik mehr als 140 Unternehmen in verschiedenen Staaten beteiligt: z.B. Baumwolle aus Indien, Garnherstellung in Korea, Weben eines Stoffes in Thailand, Veredelung in Deutschland, Konfektion in der Türkei und Verkauf in vielen Staaten einschließlich der jeweiligen Lieferwege; hinzu kommen die Lieferketten von Knöpfen, Etiketten, Einlagen, Nähgarn usw.. Für komplexere Kleidung ist die Kette noch erheblich länger. Viele deutsche Firmen kennen ihre jeweiligen Geschäftspartner. Sie sind an stabilen, langfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert, weil sie verlässliche Produktion und Lieferungen benötigen. Teilweise werden Geschäftspartner auch durch Agenten vermittelt; dann sind die Kenntnisse der Lieferkette erheblich begrenzter.“ (Quelle : https://www.textil-mode.de/service/a-z/glossar/lieferkette).

• In der Lieferkette spricht man von verschiedenen „Tier“-Ebenen gegliedert nach Sub- bzw. Zulieferern auf unterschiedlichen Ebenen. Ein Beispiel aus der Modeindustrie: Auf Tier 1 Ebene aus Modelabelsicht nennen wir den Zulieferer, der die Kleidung fertigstellt, Tier 2 bezieht sich auf dessen Vorlieferanten, z.B. den Stoffhersteller und Tier 3 auf den Hersteller des Garns oder, je nach Lieferkette, bereits den Rohstoffabbau.
• Die Modeindustrie in Deutschland besteht aus etwa 400 vorwiegend kleineren und mittelständisch geprägten Unternehmen, beschäftigt ca. 135 000 Mitarbeiter im Inland und ist damit nach der Nahrungsmittelindustrie die zweitgrößte Konsumgüterindustrie Deutschlands. Die meisten Unternehmen (320) sind kleine Betriebe mit im Schnitt 32 Mitarbeitenden, wobei die größte Zahl an Arbeitnehmer*innen in mittelständischen Unternehmen arbeiten. (Quelle: 2017 Die deutsche Textil- und Modeindustrie in Zahlen, Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie e. V., Berlin).

• 10,7g kg CO2 wird für die Produktion eines Shirts verbraucht. Eine tolle Grafik dazu hier…

Interviews zur Mode im Überblick:

 

Weitere Informationen zur Modeindustrie & Kleidung:

Tipps für Deinen Beitrag zur Slow Fashion

1. Buy less and wear more

2. Read the label

3. Vote with your feet

4. Shop and drop for charity

5. Choose organic cotton

6. Rent or borrow clothes

7. Watch your washing

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Wie kann Digitalisierung nachhaltige Mode fördern?

Blockchain, circular IDs an Kleidung und mehr – Möglichkeiten, die Digitalisierung bietet, um die Modeindustrie transparenter zu gestalten und damit Schritte in Richtung Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu gehen. Weitere interessante Fakten nachzulesen, u.a. über

… in den letzten 20 Jahren wurden 40% mehr Kleidungsstücke verkauft als zuvor.

… 330.000 t an Baumwolle werden jährlich weltweit produziert für die Textilindustrie.

… 1% der produzierten Baumwolle weltweit sind aus ökologischem Anbau.

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Regional produziertes Waschmittel (zum selber machen)?

Die bekannten Waschnüsse wachsen zwar natürlich, müssen aber importiert werden. Die langen Transportwege belasten die Umwelt und sorgen für eine schlechte CO2-Bilanz. Doch es gibt eine heimische Alternative: Kastanien.
Diese kann man Zuhause zu Waschmittel verarbeiten. Wie?

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9 Tipps für Deinen Beitrag zu einer nachhaltigeren Modebewegung

1. Bio-Kleidung kaufen.

2. Natürliche Materialien.

3. Waschsack, um die Umwelt vor Mikroplastikpartikeln zu schützen.

4. Kleidung fertig tragen.

5. Kleidung aufpimpen.

6. Kleidung verkaufen und verschenken.

7. Secondhand.

8. Regionale Kleidung einkaufen – geht! In Österreich beispielsweise ist Hanf ein regionaler Rohstoff.

9. Faire Kleidung einkaufen.

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Wie fast fashion den Klimawandel beeinflusst...

Jährlich werden knapp 70 Millionen Barrel Erdöl für die Herstellung von Polyester verwendet. Bedenkt man, dass ein Barrel knapp 159 Liter entspricht, steckt viel klimafeindliches Erdöl in unserer Kleidung: Ein Grund mehr, über circular fashion nachzudenken. Auch der Energieverbrauch von Hanf und Nylon im Vergleich zeigt deutlich, wo die Auswirkungen auf unser Klima liegen…

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Was steckt hinter den Modesiegeln für Nachhaltigkeit?

GOTS, Fair Wear, Earth Positive… Was steckt dahinter?

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Was war noch gleich das Textilbündnis?

Die Multistakeholder-Initiative besteht aus rund 130 Vertretern aus fünf Akteursgruppen (Bundesregierung, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Standardorganisationen).

Das Textilbündnis initiert von der Bundesregierung hat das Ziel, gemeinsam mit den Bündnispartnern soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textil-Lieferkette zu erreichen.
Ansatz: Basierend auf gemeinsam definierten Bündniszielen setzen sich alle Mitglieder verbindliche und nachprüfbare Ziele, die sie schrittweise ambitionierter gestalten. Ergänzend werden gute Lösungsansätze mit konkreten Bündnisinitiativen in den Produktionsländern gefördert.

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Fashion Council mit Programmen zu Nachhaltigkeit

Die Modeindustrie hat eine eigene Interessenvertretung, die sich u.a. auch um Nachwuchsprogramme für die Branche in puncto Nachhaltigkeit einsetzt.

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#whomademyclothes

Schon von der Kampagne gehört? Toll, wie viele sich beteiigen. Schau Dir die Bilder via Instagram im Link an oder lese mehr darüber…

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Nachhaltige Mode in Frankfurt?

Im Webguide berichten wir regelmäßig über Neueigkeite und Initiativen rund um nachhaltige Mode und DIY Fashion

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Kleidertauschparty selbst organisieren?

Hier gibt es Tipps von Greenpeace, wie man eine Kleidertauschparty organisiert…

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Informieren. Bewusst entscheiden. Wohlfühlen.

 

Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und die uns zur Verfügung gestellten Informationen aufgearbeitet. Dennoch wissen wir, dass es womöglich Fakten gibt, auf die wir in unseren Recherchen nicht gestoßen sind. Daher bitten wir Euch: Wenn Ihr etwas Ergänzendes wisst, meldet Euch. Wir nehmen es gerne mit auf. Zudem können die Geschichten werbenden Inhaltes sein, da sie auf Betriebe hinweisen. Dies soll den Leser und die Leserin nicht beeinflussen, sondern die notwendigen Informationen über Lieferkette und Wege der Produkte aus „Praxissicht“ bieten, vor allem aber um an Informationen über Spannungsfelder und Konflikte zu kommen, die wir hier im Sinne einer Verbraucherbildung aufgearbeitet haben.

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