Neulich bei der Lust auf besser Leben gGmbH …

Dies sollte eine Geschichte über die Herausforderung einer Teilzeit-Chefin werden, zwischen Mehrwegwindeln und Laptop im Kinderzimmer … Ich wollte darüber schreiben, wie es ist, nach 5 Monaten Elternzeit langsam wieder einzusteigen und welche gesellschaftlichen Veränderungen ich mir wünsche, damit Unternehmertum und Geschäftsführung auch jungen Müttern oder Vätern möglich erscheint, weil Vollzeit und Überstunden ohne Ende eben keine Voraussetzungen für eine „gute Chefin“ sein müssen.

Darüber werde ich jedoch das nächste Mal schreiben. Denn was mich aktuell wirklich beschäftigt, was mich tief im Herzen berührt, ist, was mein Freund Terrence aus Simbabwe mir dieser Tage erneut getextet hat.

„60 % meiner Landsleute werden bald von Hunger bedroht sein“

Während wir jeden Abend gebetsmühlenartig die Polit-Talkshows über die Fehler der Impfstoffbestellungen füllen, gibt es Menschen, die bald nichts mehr zu essen haben.

Ich kann unsere neue Vollzeitbeschäftigung, das Corona-Talking, nicht mehr hören und sehen. Und mache trotzdem mit suchtartiger Regelmäßigkeit mit. Dabei blendeten wir bis vor Kurzem aus, was die Folgen unserer Pandemie-Politik für Familien, für psychisch Erkrankte und andere gesellschaftliche Gruppen bedeutet, die nachweislich in naher Zukunft und auch heute schon gesundheitliche Schäden erleiden.

Dass wir nun darüber zu sprechen begonnen haben, ohne die Notwendigkeit eines Durchgreifens (Lockdown, Masken und co.) anzuzweifeln, also indem wir die Komplexität der Situation anerkennen, freut und erleichtert mich zutiefst. Denn Bewusstsein zu schaffen ist ein erster Schritt.

Worüber wir jedoch weiterhin schweigen: in Simbabwe, um exemplarisch ein Land zu nennen, in dem ich zufälligerweise einen Freund habe, sind viele Entwicklungsfortschritte der letzten Jahre – wenn nicht gar Jahrzehnte – im Verlaufe der Pandemie zunichte gemacht worden.
Dort werden laut dem UN World Food Programme bis März 60 % der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen sein. Das sind mehr als die Hälfte!

Global Goal Nummer 2 „Ernährungssicherheit erreichen“ adé?

Ich stelle mir vor, wie schwierig es für Terrence sein muss, diesen Fakt zu kennen und für seine Mitmenschen um Hilfe zu bitten. Wie wäre es für mich, einen Freund um Spenden zu bitten, damit über die Hälfte meiner Landsleute mit Essenspaketen versorgt würden? Ich empfände es wahrscheinlich als bloßstellend und unglaublich schmerzhaft.

Doch genau das hat Terrence gemacht. Er ist ein Sozialunternehmer, der das Bildungskreditwesen innoviert hat, auch seine berufliche Existenz ist aktuell gefährdet. Aber er leidet nicht an Hunger.

Wie viele von uns weiß er, dass Spenden oder Essenspakete keine nachhaltige Problemlösung darstellen. Doch die Hütte brennt!

Seit 2018 engagiert er sich zudem mit der Initiative „We feed the city“ dafür, dass zukünftig nicht mehr 28 % der Kinder in Simbabwe unter 5 Jahren an chronischer Unterernährung leiden.
Gemeinsam mit einer weiteren NGO haben sie einen 4-Punkte Plan entwickelt, laut dem die akute Essensversorgung nur den ersten – und leider aktuell notwendigste Schritt – darstellt. Des Weiteren planen sie Selbstversorgungssets bereitzustellen und Kompetenzentwicklungstrainings, um die Menschen von den Essenspaketen unabhängig zu machen. Das Programm findet ihr hier.

Das ist ein Video von Terrence nach den letzten #feedthecity-Aktionen, in dem er sich bei allen Partner*innen bedankt und zu weiteren Aktionen aufruft:

Lähmt uns die Krise oder vereint sie uns?

Die Staatengemeinschaft der G7 hat sich zum Ziel gesetzt, die 500 Millionen Menschen, die an Hunger oder Mangelernährung leiden, bis 2030 daraus zu „befreien“. Wir wollen „den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“. Dieses globale Nachhaltigkeitsziel werden wir bis 2030 erreichen!?

Ich merke immer mehr, dass ich das Wissen über die Lage in anderen Ländern nicht „wegschieben“ kann. Auch nicht mit den lähmenden Talkshows im Fernseher, die die Aufmerksamkeit – natürlich auch berechtigterweise – im Dauerloop auf uns selbst legen.

Ich möchte etwas tun. Nachhaltig, langfristig, mit Herz und Verstand – und wenn es erstmal wieder eine Spende ist, zu einer Organisation, der ich vertraue.

Und damit beende ich meine Insight ganz anders, als ich es geplant hatte: Wenn Ihr auch spenden möchtet, schreibt mir einfach eine Mail, ich schicke euch dann weitere Informationen. Und weil ein Schwarm immer mehr weiß als ein einzelner Fisch: um das Ziel für 2030 nicht aus dem Blick zu verlieren, brauchen lokale Organisationen wie die von Terrence Unterstützung. Wer Stiftungen kennt oder andere Kontakte hat, für die die Zusammenarbeit mit Locals von Bedeutung ist, freue ich mich über eine Nachricht an marlene@lustaufbesserleben.de.

Auf ein gutes 2021 – vereint in glokalen Freundschaften,
Eure Marlene

PS: Das bin ich mit Terrence aus Simbabwe, Mazen aus Ägypten, Rola aus Jordanien und Karl aus Trinidad auf Sozialunternehmer*innenreise 2018. 🙂

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