Neulich bei der Lust auf besser Leben gGmbH …

Schaut euch mal die Teamfotos der Lust auf besser leben gGmbH an: Was fällt euch ins Auge? Richtig – lauter jüngere Frauen und ein älterer Mann. Hat das was zu bedeuten? Wir finden: nein. Wieso ist es dann der Erwähnung wert? Dann lest weiter.

Aus dem Projekt Lust auf besser leben von 2013 ist mittlerweile eine gut organisierte und stabile Firma geworden. Die Leitlinien sind geblieben: in Frankfurt und Umgebung ein Netzwerk zu fördern, welches an nachhaltigem und verantwortlichem Wirtschaften arbeitet und nach außen Auftraggeber und Kunden zu nachhaltigem Konsum inspirieren möchte. Heute ist das etwas professioneller ausformuliert: Wir arbeiten für „eine Welt, in der die Wirtschaft im Dienste der Gesellschaft steht und nicht andersrum, in der Konsum- und Produktionsmuster nachhaltig sind und in der Menschenwürde in Gesellschaft und Arbeit eine feste Rolle spielt. Eine Welt, in der auch die Interessen derer vertreten sind, die keine laute Stimme haben. Und wir sind überzeugt, dass wir alle zu dieser Welt mit kleinen und großen Schritten beitragen können.“ Soweit ein Auszug aus Unsere Vision – was uns antreibt.

Was aber hat das mit meiner Person zu tun? Gesellschaftliche Konfliktlinien der siebziger und achtziger Jahre (Rentenalter eben 🙂 ) haben sich großenteils verschoben, aber durchaus nicht komplett verändert. Oberbegriffe wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz waren für uns damals soweit überhaupt bekannt eher nachrangig. Heutzutage setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass die Schlüsselfragen gleich geblieben sind oder sich in vergleichbaren Zusammenhängen neu stellen: werden gesellschaftlicher Alltag und gesellschaftliche Bewegung in der Hauptsache von (heute globalen) wirtschaftlichen Mustern bestimmt? Und wäre das nicht besser anders herum? Spielen bei der Einflussnahme auf gesellschaftliche Prozesse nicht nach wie vor ökonomisch machtvolle Akteure aka Lobbygruppen eine deutlich stärkere Rolle als die Masse der von diesen Prozessen Betroffenen und mit Umsetzung besagter Prozesse Beschäftigten?

Und ist die Tatsache, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz noch vor 50 Jahren eine untergeordnete Rolle spielten, nicht ganz einfach darauf zurück zu führen, dass die Folgen von Raubbau und Verwüstung des Planeten durch uns Menschen damals in den westlichen Industrienationen noch kaum allgemein spürbar waren?

Können wir – und mit wir meine ich diesmal nicht das wunderbare Team von Lust auf besser leben, sondern meine Generation der um die siebzigjährigen – die Bearbeitung des Schlamassels vertrauensvoll der nächsten Generation überlassen? Das sollte natürlich Jede und Jeder selbst für sich bestimmen. Ich meine: nö, können wir nicht.

Auf der anderen Seite bin ich sehr bequem (offensichtlich ein Gendefekt) und wahrlich kein politischer Aktivist. Kaum etwas ist mir wichtiger als meine individuelle Selbstbestimmung. Diese Eigenheiten teile ich wahrscheinlich mit einer erklecklichen Anzahl meiner Altersgenoss*innen und, kann ich euch sagen, das spitzt sich mit zunehmendem Alter zu. Jedoch kann uns gerade aus dieser Situation heraus (alles kann, nix muss) eine fröhliche und entspannte Form der Teilhabe gelingen. Teilhabe eher nicht an aktuell als wesentlich, essentiell, existentiell (oh Gott!) kolportierten Prozessen, sondern Teilhabe an dem, was mir ganz persönlich gefühlsmäßig wichtig und vielleicht sinnstiftend erscheint.

Spätestens hier landen wir wieder bei Aktivitäten und Zielsetzung der Lust auf besser leben gGmbH. Und bei den „kleinen Schritten“  von oben. Ich bin tatsächlich überaus dankbar, dass ich die Entwicklung eines ambitionierten Nachhaltigkeitsprojektes zu einer veritablen Firma miterleben und auch daran teilhaben durfte. Die Konfliktlinien meiner Jugend waren oftmals ideologisch bestimmt: Konfrontation oder Anpassung (zugegeben etwas vereinfacht formuliert). Im Verlauf der vergangenen Jahre und in der Arbeit mit und an Lust auf besser leben habe ich gelernt, dass im Unterschied dazu unsere Kinder die Option entwickelt haben, Fragen und Lösungen professionell, konstruktiv und wo notwendig in kleinen aber unbeirrbaren Schritten zu bearbeiten. Werteorientiert, aber nicht ideologisch fixiert. So können aus den kleinen gelegentlich auch große Schritte werden.

Aber noch mal zurück vom philosophischen Rahmen zu den kleinen Schritten: was tue ich eigentlich in der Praxis für und mit Lust auf besser leben? Zusammenstellung und Redaktion von Veranstaltungstipps und Blogbeiträgen für unseren Webguide sind meine Babies (Enkel müsste ich eigentlich sagen, aber der Platz ist schon besetzt). Und natürlich nicht zuletzt der vierzehntägige Newsletter für Abonnent*innen.

Also: Bleibt aufmerksam und entspannt!

Euer Jürgen

P.S. Auf dem Titelfoto fehlt leider Jaya wegen Elternzeit. Wir denken sie uns dazu, und Ihr sollt das auch tun.

Schlagworte: , , , , , , ,