Im Gespräch mit Alexandra, Gründerin des Modelabels ALMA, die im Offenbacher Atelier eine Modeschmiede für Nachhaltigkeit gegründet hat

„Ich bin eigentlich durch ALMA erst auf das Thema Nachhaltigkeit gestoßen“ erklärt mir Alexandra, als wir uns bei einem leckeren Kaffee am Morgen zusammentelefonieren.

„Durch meine Marke habe ich auch privat angefangen umzudenken und mittlerweile ist es für mich großes Thema. Wie kann ich Menschen zum Nachdenken anregen, wo das Produkt herkommt?“ fragt sich die Gründerin, die erst in der Mitte ihres Berufslebens in der Gastronomie ein eigenes Label gründete.

Fertige Schnitte mit GOTS-Siegel

Wo kommen denn die Rohstoffe Deiner Produkte her, frage ich sie. „Das ist tatsächlich noch etwas schwierig“ erklärt sie mir. Denn für ALMA bezieht sie für ihre Fertigung Produkte von Großhändlern. Also solche, die bereits fertige Schnitte anbieten, die Alexandra dann verfeinert.

„Bei einem Großhändler kann man nicht zu 100 % nachvollziehen, wie das Produkt hergestellt wird. So ist das, wenn Du mit Masse arbeitest. Da fragst Du Dich immer: wie nachhaltig ist mein Produkt wirklich? Hinzu kommt die Geldfrage.

Nachhaltige Mode zu erschwinglichen Preisen?

Ein Spannungsfeld, denn wenn ich mit meiner Mode auch Kundinnen und Kunden mit erschwinglichen Preisen erreichen möchte, ist das komplette selbst Nähen auch eine finanzielle Frage“ erklärt sie mir. Nachhaltigkeit spiele eher unterbewusst eine Rolle bei den meisten ihren Kundinnen und Kunden. In erster Linie gehe es um das Design.

Bei ALMA findet in Deutschland die Veredelung statt, die Alexandra selbst macht. In Hamburg stickt eine kleine Manufaktur ihre Patches und nutzt dafür faires Garn aus Deutschland.

Auch hat Alexandra ihre Kundinnen und Kunden befragt, wie sie bereits benutzte und wiederverwendete Kartons für den Versand fänden. Seitdem hat sie zumindest bei ihrem eigenen Online Shop umgerüstet. Doch bei Wiederverkäufern (anderen Plattformen) sei das nicht so einfach machbar, da hier gewisse Standards von den Labels erwartet würden.

Sie bezieht Stoffe bzw. Stücke, die mit den Siegeln der Fair Wear Foundation oder GOTS zertifiziert sind. Neue Ideen testet sie erstmal in kleiner Auflage ehe es dann auf größere Stückzahlen geht.

Doch zurück zu den Wegen der Kleidungsstücke: für die Herstellung eines Teils in Rohform muss sich Alexandra auf den Weg berufen, den ihr Großhändler ihr angibt – deshalb sind für sie die Siegel wie GOTS und Fair Wear Foundation so wichtig.

Als Beispiel für ihre Lieferanten nennt sie Stanley & Stella, die in Biostandard produzieren. Aber auch das Earth Positive Siegel ist eines, auf das sie mit ihrem Label ALMA zurückgreift.

 

Aus der Welt nach Hamburg und Offenbach zum handgefertigten Finishing – Wege der Mode von ALMA

Die bestellte Rohware wird dann von Alexandra in ihrem Offenbacher Atelier und für Hamburg sortiert. Anschließend macht sie mit Siebdruckfarbe per Hand oder mit Stickereien und Patches über ihre Kooperationspartnerin in Hamburg das Finishing.

Auch ihrer Schmuckkollektion schenkt Alexandra viel Aufmerksamkeit. Messing und Kupfer seien natürlich recycelbar, sagt sie, und kommen über drei, vier Firmen aus der Türkei, aus Israel oder auch Korea. Doch wie diese Rohstoffe abgebaut werden, ist schwer nachvollziehbar. Im Gespräch wird hier ihr neues Herzensprojekt deutlich:

Sie arbeitet an einer kleinen, geschmiedeten Kollektion, die sie mit Auszubildenden Goldschmieden aus Hanau anfertigt.

Unser Gespräch schließt sie mit voller Überzeugung: „Man fühlt die Qualität, wenn man einen fair produzierten Pulli aus Biobaumwolle trägt, das ist mir wichtig!“

 

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