Wenn ich an die Wege meines Kaffeebechers denke, komme ich unweigerlich auf den Pfandbecher der Initiative „cup2gether“, da diese von uns mit initiiert wurde.

Doch welche Wege stecken eigentlich hinter dem Produkt „Becher“? Bisher weiß ich nur, dass er nachhaltiger sein soll als der Einwegbecher – wenn er häufig genutzt wird. Deshalb frage ich bei meiner Kollegin Marlene nochmal genauer nach.

„Die Wege des Bechermaterials haben für die Initiative cup2gether von Beginn an eine entscheidende Rolle gespielt“, sagt Marlene Haas mir. „Zu Beginn war es noch unklar, mit welchem Becher wir ein Pfandsystem in Frankfurt bzw. rund um die Berger Straße testen möchten. Klar ist, dass preislich kaum ein Mehrwegbecher an Plastik vorbeikommt. Erdöl ist einfach immer noch das ökonomisch gesehen günstigste Material. Doch selbst bei hochwertigem Plastik ohne Abrieb und in Anbetracht des Falls, dass das Plastik tatsächlich recycelt würde, wollten wir eine möglichst regionale Wertschöpfungskette unterstützen. Sicherlich gibt es auch „Made in Germany“ Plastikbecher, doch ich kenne keinen, bei dem die Rohstoffherkunft geklärt ist. Bei Bambus hat man dann wieder mit Klebstoffen zu tun und langen Transportwegen des Bambusses. Deshalb kam für uns eigentlich nur ein Becher in Frage.“

Mehrweg-Becher aus nachwachsenden Rohstoffen? Wo kommen diese her?

Das mittlerweile gewachsene Becher-Pfandsystem nutzt einen biologisch abbaubaren Becher, der aus Stärke, Glucose, Lignin (Baumharzen), pflanzlichen Ölen, Wachsen und mineralischen Füllstoffen besteht. Das Lingin wird aus Holzabfällen gewonnen, aber wo kommen diese her? Womöglich aus irgendwelchen Tropenhölzern, frage ich die cup2gether-Initiatorin Marlene.

„Die Herkunft des Rohstoffs war für uns Thema. Wir wissen nicht genau, aus welcher Region in Deutschland die Bäume kommen, aber: Es werden für den Becher keine extra Bäume gefällt. Es gibt ein Video von der Sendung mit der Maus dazu. Da kommt ganz gut heraus, dass Lignin bei der Papierherstellung oder in den Sägewerken als Nebenprodukt abfällt. Unser Hersteller hat die Zusage, dass die Bäume aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern mit PFEC Zertifizierung kommen. Von dem Siegel kann man zwar auch unterschiedlich begeistert sein, aber das wichtige für uns ist, dass es ein Abfallprodukt ist, das hier in der Region hergestellt wird und biologisch abbaubar ist.“

Ist ein Bio-Becher kompostierbar?

Die Wege sind also auch bei dem sogenannten „Bio Becher“ nicht bis ins letzte nachverfolgbar, hake ich nach. „Das stimmt. Uns geht es auch nicht darum, eine perfekte Lösung zu präsentieren. Denn die kommt immer auf die Perspektive an. Beim Becher gibt es da wie bei allem verschiedene Ansätze. Schaue ich auf die gesamte Energiebilanz? Die bezieht aber nicht mit ein, was ein Produkt an Umweltschäden mit sich bringt. Ist es mir wichtig, nachwachsende Rohstoffe zu unterstützen, weil wir ganz sicher in ein Post-Erdöl-Zeitalter kommen und alternative Materialien brauchen, die Plastik-ähnliche Funktionen übernehmen? Für uns ist es wichtig, möglichst ganzheitlich eine Lösung für die To Go-Kultur zu implementieren. Und in Umfragen mit den Nutzerinnen und Nutzern zeigte sich, dass das Thema Plastik mittlerweile eine ganz besondere Bedeutung hat. Ich glaube, dass wir genau deshalb aufpassen müssen, nicht generell zu hypen oder zu verteufeln. Aber in unserem Fall gibt es eben einen regionalen Hersteller aus Hanau, der eine biologisch abbaubare Lösung anbietet und diese wollen wir für das Pfandsystem nutzen“, erklärt Marlene weiter. Abgebaut wird der Becher allerdings bisher nicht über den Frankfurter Müllentsorger, da er, wie andere alternative bio-Materialien einen längeren Abbauzyklus hat (Vrgl. 2 Wochen Biotonne zu ca. 180 Tagen, der Hersteller arbeitet daher mit einem separaten Kompostierer zusammen). Hier müsse erstmal signifikant die Nachfrage steigen, um den Kompostierzyklus umzustellen. Ein weiterer Grund, sich für alternative, biologisch abbaubare oder recyclebare Materialien einzusetzen.

Was ist überhaupt Bio-Pastik? Holz und Zucker?!

Bei meinen Recherchen stoße ich noch auf ein weiteres Thema: Werden nachwachsende Rohstoffe als Alternative für Plastik in heimischer Land- und Forstwirtschaft erzeugt, weiterverarbeitet und verbraucht, bleibt die damit zusammenhängende Wertschöpfung im Land und kann neue Arbeitsplätze generieren. Gerade für den strukturschwachen und oft von Abwanderung geprägten ländlichen Raum bietet dies große Chancen und neue Perspektiven für die Menschen vor Ort. Doch hier kommt es darauf an, wie die Walder bewirtschaftet werden, so dass keine Monokulturen entstehen und auch, wie die Vertragsbedingungen mit den heimischen Weiterverarbeitenden sind.

Mich interessiert noch, ob wir es eigentlich mit den Wegen von „Bioplastik“ zu tun haben? Wie Marlene schon skizzierte, brauchen wir Materialforschung und Mut für neue Lösungen, um ins Post-Erdöl-Zeitalter zu kommen. Doch das Umweltschutz suggerierende Wort Bioplastik hat oft mit langen Wegen zu tun, bspw. wenn die Rohstoffe wie Mais und Zucker dafür aus Südamerika oder Asien und im schlimmsten Falle aus genmanipulierten Monokulturen kommen.

Marlene erklärt, dass se zum einen auch hier dafür ist, differenziert hinzuschauen. Klar seien längere Wege aus intransparentem Anbau nicht die endgültige Lösung, doch bei nachhaltiger Entwicklung, die wir in der Materialforschung und vor allem im Produktdesign dringend benötigen, könnten so erste Schritte gegangen werden. Wenn sich dann zeigt, ob beim Becher oder zum Beispiel auch in der Kosmetikindustrie bei neuen Verpackungen, dass die Alternativen funktionieren, könnte auch nach nachhaltigeren Anbaumethoden geschaut und regionale Wertschöpfung – also kürzere Wege –  gezielt gefördert werden.

Regionale Wertschöpfung schafft kurze Wege

Bei „Bioplastik“ jedoch komme es immer auf den Inhalt an, da das Wort vielfach verwendet würde: Es gibt Rohstoffe aus Holzfaser und Plastik, diese seien nicht biologisch abbaubar, aber günstiger als Holzfußböden und damit attraktiv in der Branche. Hinzu kämen eben neue Materialien aus Zuckerrohr, Cellulose oder Mais.

„Die Wege hinter den Produkten und im Falle des Bechers dadurch eine möglichst regionale Wertschöpfungskette sind für mich ein ausschlaggebendes Kriterium, ich verstehe aber genauso gut, dass in anderen Fällen ein anderes Kriterium wie z.B. die Öko- oder Energiebilanz entscheidend ist. Entscheidend ist doch, dass man seine Wahl begründen und hinter ihr stehen kann.“

Kurz erklärt wie cup2gther funktioniert: www.cup2gether.de und hier geht es um Fakten rund um den Becher: https://cup2gether.de/becher1x1/

 

 

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