„Solidarität mit dem Kunsthandwerker in Thailand und mit der Frankfurter Töpferei widerspricht sich nicht“ – Ein Gespräch mit Nicola Krümpelmann vom Weltladen Bornheim über die unnötigen Wege von Zwischenhändlern und die Macht der Konsumenten.

Bei der Erkundung der Wege meines morgendlichen Kaffees stoße ich auf den Weltladen Bornheim. Ideal, denn die kennen sich sowohl mit fair gehandeltem Kaffee als auch mit Kaffeetassen aus! Jackpot. „Nicola, ich habe im Schaufenster wunderschöne Tassen gesehen. Wo kommen die her?“ Nicola erklärt, dass der Weltladen Bornheim eine Fülle an Kunsthandwerk verkauft. „Keramik aus Südafrika, Gläser aus Guatemala, Seidenschals aus Vietnam, Speckstein-Skulpturen aus Kenia, Schmuck aus Kolumbien, Taschen aus Bangladesch, Körbe aus Marokko… Die Tasse, die du im Schaufenster gesehen hast, kommt aus Thailand.“

Die faire Tasse aus Thailand

Thailand, das ist weit weg. Circa 10.000 Kilometer. „Warum verkauft Ihr Tassen, die von so weit herkommen? Gibt es die gleiche Qualität nicht auch hier regional?“ Nicola erklärt mir das Konzept vom Weltladen: „Wir zeigen so unsere Solidarität und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Produzent*innen in den Ländern des globalen Südens! Deshalb verkaufen wir ausschließlich deren Produkte. Aber das heißt nicht notwendigerweise, dass unsere Wege länger sind. Der Weg aus Thailand ist zwar weit, aber wir verzichten bewusst auf Zwischenhandel, sodass unnötige Lieferwege zwischendurch wegfallen. Vielleicht sind unsere Lieferwege somit sogar kürzer als industriell gefertigte Keramik, die erstmal von Lager zu Lager transportiert wird?“ Das mag sein – mir ist es aufgrund der komplexen Lieferketten bisher nicht gelungen, die genauen Wege einer konventionellen Tasse nachzuzeichnen. Aber ich hake nach: „Das verstehe ich. Aber es gibt doch auch in Frankfurt kleine lokale Manufakturen, die unterstützenswert sind.

Fairer Handel zulasten des regionalen Handwerks?

Geht der faire Handel mit dem globalen Süden dann nicht zu Lasten des regionalen Handels hier vor Ort?“ Man merkt, dass sich der Weltladen intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt. Nicola erklärt: „Die Solidarität und der faire Handel mit dem globalen Süden ist unser vorrangiges Ziel, denn da liegt wirklich viel im Argen. Das geht aber nicht notwendigerweise zu Lasten des regionalen Handels. Das Angebot deutschen Honigs zum Beispiel reicht nicht für den deutschen Markt. Und die Ökobilanz von einem Rotwein, der mit dem LKW aus Italien oder Spanien kommt, ist oft nicht so gut wie von dem fairen Wein aus Argentinien, Chile oder Südafrika, der bei uns mit dem Container kommt.“ Nicola denkt über die Macht der Konsument*innen nach.

Problem liegt nicht bei der Frankfurter Töpferei, sondern bei den konventionellen Großunternehmen

„Aber manchmal kommt das schon vor. Unser Steingut kommt zum Beispiel oft aus Thailand, obwohl es auch hier gute Töpfereien gibt, die mit Ton aus dem Westerwald handwerklich produzieren. Da stecken wir in der Zwickmühle und das wird auch diskutiert. Der Kunde muss sich dann letztlich entscheiden, was er unterstützen will. Aber ganz ehrlich: Ich finde beides gut und das widerspricht sich doch nicht: Wenn wir gemeinschaftlich nur fair gehandelte Produkte aus dem globalen Süden oder lokales Handwerk kaufen würden, dann wäre schon viel gewonnen. Das Problem liegt ja nicht bei der Frankfurter Töpferei, sondern bei den konventionellen Großunternehmen, die für eine höhere Marge sowohl auf fairen Handel als auch auf kurze Wege verzichten.“ Das ist richtig. Der Schlüssel liegt wahrscheinlich in der bewussten Entscheidung jedes Einzelnen: Was möchte ich mit meinem Geld unterstützen?

 

Bildnachweise: Weltladen Bornheim GmbH

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