In Teil 1 ging es um die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Ebene des Fairen Handels, um die Systemveränderungen für eine gerechtere Welt. Doch nun mal konkret: Regional oder global gehandelte Produkte  einkaufen?

Wahrgenommener Trade-Off zwischen Regionalität und Fair Trade („Wir achten eher auf …“)

Hintergründe von Ursula Artmann: „Es gibt zwei Produkte, bei denen immer wieder viel diskutiert wird: Wein und Honig. Bei beiden ist es so wie mit vielen andere Produkten auch: Es wird in Deutschland nicht genug produziert für unseren Gesamtkonsum, d.h. wenn wir nachhaltigen Konsum wollen, müssten wir zum Beispiel alle zusammen eigentlich auf einen (ziemlich großen) Teil unseres Honigkonsums verzichten. Wenn wir so viel Honig essen wollen bisher, haben wir die Wahl zwischen billigen Importen aus Niedriglohnländern oder fair und bio-Importen.
Außerdem stellt sich die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck. Da muss man zum Beispiel den Wein-Transport aus Übersee im Container vergleichen mit dem LKW-Transport z.B. aus Spanien. Die echte Alternative zum bio-fairen Wein aus Übersee im Weltladen ist nicht der „normale“ im Supermarkt, sondern der vom Ökowinzer aus dem Rheingau, zu dem ich mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen fahre. Zu sagen: „kommt aus Südafrika, kann ich nicht kaufen, dann nehme ich lieber den normalen im Supermarkt“ ist etwas zu einfach gedacht.“

So einfach ist es also nicht. Wonach also könnten wir ncoh entscheiden, was wir kaufen? Ein weiterer Aspekt wird oftmals gar nicht bedacht: unsere Gesundheit.

Gesunde Böden, gesunde Menschen?

Das bestätigt Joerg Weber, Nachhaltigkeitsbotschafter der  Bürger AG für regionales und nachhaltiges Wirtschaften, indem er sagt “dass wir gute Lebensmittel nur dann bekommen, wenn wir gute Böden haben. Und wenn wir keine guten Böden haben, weil wir sie verseuchen schlecht behandeln (Ackergifte), dann können wir auch nicht gesund leben.“

Gesundheit und fairer Handel in unserer Region gehen also Hand in Hand? Gerhard Klein, Nachhaltigkeitsbotschafter der Praxis für chinesische Medizin sagt: „Es ist doch ganz einfach: Ernähre dich selbstgekocht aus der Jahreszeit aus der Region. Punkt. Wenn du selbst kochst, hast du keine industriellen Nahrungsmittel, keine Stabilisatoren, keine Geschmacksverstärker und du konsumierst fair. Da bist du auf der richtigen Seite.“

Denn „wir haben Millionen von Darmbakterien. Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind die Bakterienstämme immer weniger geworden, d.h. unsere Ernährung ist einseitiger geworden. Daraus entstehen Allergien und Ernährungsunverträglichkeiten. Diese Einseitigkeit ist ungesund. Monokultur reagiert panisch, wenn etwas Unbekanntes reinkommt. Die Leute kommen aufgrund von Modeerscheinungen zu Veganismus, aber es geht eigentlich darum, sich zurück zu erinnern, was sie als kleine Kinder gegessen haben: das war wahrscheinlich abwechslungsreicher und lokaler. Das war die Darmflora, mit der sie damals gesund waren. Ich versuche sie zu ermutigen, aus der Region und glücklich zu essen. Es müssen nicht linksdrehende Datteln sein. So sind wir gebaut. Wir müssen uns aus der Zeit und aus der Region ernähren. Keep it simple. Iss Gutes aus der Region und was dir Spaß macht, und dann hast du schon viel erreicht. Versuch einen Bäcker zu finden, der nicht mit Fertigprodukten arbeitet.“

Auch Laura Steinmann, Nachhaltigkeitsbotschafterin von Koperfieldt empfindet es ähnlich „Du bist, was Du isst. Wenn ich nicht selber darauf achte, was ich zu mir nehme, dann kann ich nicht erwarten, leistungsfähig zu sein.“

Doch ganz so einfach ist es eben nicht mehr. Auch saisonal Produkte können gespritzt sein oder von Bauern kommen, die täglich aufgrund der industriellen Landwirtschaft ums Überleben kämpfen. Daher:  Regional ja, doch auch hier ist es wichtig, entweder auf bestimmte Siegel zu vertrauen oder die Höfe und Händler persönlich zu kennen und ihnen zu vertrauen. Tipps dazu hat u.a. der Ernährungsrat Frankfurt.

 

Die Kampagne ‚Fairer Handel ist mehr als ein Siegel‘ soll zu mehr Verständnis für die Zusammenhänge und Hintergründe führen, Vertrauen aufbauen zu unseren Betrieben vor Ort und somit dazu beitragen, dass Ihr fairer handeln könnt. Zurück zur Übersicht mit weiteren Artikeln zu Siegeln, Regionalität und fairem Handel…

Das erste Foto ist im Sommer 2017 entstanden und zeigt Laura Steinmann stolz bei der Apfelernte. Auf dem anderen Foto: Selbst gebackenen Schoko-Minz Plätzchen in Bembel-Form von Laura zeigt Lokalpatriotismus zu Frankfurt und meint: Lieber selbst Backen statt Weihnachtsgebäck kaufen.

 

Schlagworte: , , , , , ,