Fairness hat nicht nur mit Mitleid mit anderen Ländern zu tun… Oder?

 „Leute reden über Fair Trade Kakao und über die armen Bauern und Kinder. Das finde ich sehr gut. Aber im direkten Umgang mit unseren Mitmenschen im Alltag habe ich ganz oft das Gefühl, dass Fairness an Bedeutung verliert. Ich finde es genauso wichtig, fair mit meinen Kunden, Mitarbeitern und Freunden umzugehen, wie der Bezug fair gehandelter Kakaobohnen für meine Schokolade.“ Michael Kitz, Nachhaltigkeitsbotschafter von Michis Schokoatelier

Es geht also in unserem Verständnis von fairem Handel auch um die Verhältnisse hier vor Ort. Auch Klaus Grund, Nachhaltigkeitsbotschafter bei Sachen auf Rädern sieht es ähnlich, bezieht sich dabei aber nochmal mehr auf unsere Produzenten, die Bauern in unserer Region: „Der Bauer um die Ecke hat die gleichen Probleme wie der Bauer in Costa Rica, vielleicht auf einem anderen Niveau, aber er hat genauso ein Recht darauf, dass fair mit ihm umgegangen wird.”

Es gibt jedoch einen Unterschied, der nicht wegzudiskutieren ist:  Wenn es einem lateinamerikanischen oder afrikanischen Bauern schlecht geht, kann er in der Regel im Gegensatz zu dem deutschen Landwirt keine Gesundheitsversicherung und Schule für seine Kinder zahlen.

Das bedeutet nicht, dass die regionale Landwirtschaft nicht fairer werden muss, jedoch unterstreicht es den entwicklungspolitischen Ansatz des Fairen Handels, der dafür Sorge trägt, dass unsere Welt eine gerechtere wird.

Eine Broschüre in Kooperation zwischen dem Weltladen Bornheim und dem IIS e.V. im Frankfurter Gallus fasst sehr gut auf, dass es um Gerechtigkeit statt Mitleid geht. Die dortige Moscheegemeinde verkauft im Infoladen fair gehandelten Kaffee und Süßigkeiten, nachdem eine katholische Jugendgemeinde auf den Imam zuging und ihn überzeugte, dass es im muslimischen wie auch im christlichen Sinne von großer Bedeutung ist, sich zum Fairen Handel zu bekennen. Nun veranstalten sie gemeinsame Veranstaltungen. Die Broschüre gibt interessante Hintergrundinformationen. Aus der Broschüre: „Wir sind verantwortlich für die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen. Ich möchte nicht, dass mein Sohn in ausbeuterischer Arbeit Textilien nähen oder Kakaobohnen ernten muss. Und ich möchte es auch für keinen anderen Menschen, sei er Erwachsen oder Kind. Es gibt viel zu tun.“ Dr. Kristina Iman Renkhoff, Aufsichtsratsmitglied IIS e.V.

Auf den Punkt trifft es Carolin Munte vom MainGemüse auf der Frankfurter Berger Straße: „Ganz banal. Mir ist es wichtig, dass Menschen bereit sind, mehr Geld dafür auszugeben, was sie am Leben hält. Hey Leute, was Ihr da ausgebt für ein Stück Fleisch aus dem Discounter… dann kauft lieber gar kein Fleisch. Guckt mal, was Ihr damit wirklich bezahlt und was Ihr Eurem Körper zuführt. Ich weiß, wie viele Menschen sich das nicht leisten können. Aber ich weiß auch, wie viele Leute sich das leisten können und die das nicht zu schätzen wissen.“

 

Die Kampagne ‚Fairer Handel ist mehr als ein Siegel‘ soll zu mehr Verständnis für die Zusammenhänge und Hintergründe führen, Vertrauen aufbauen zu unseren Betrieben vor Ort und somit dazu beitragen, dass Ihr fairer handeln könnt. Zurück zur Übersicht mit weiteren Artikeln zu Siegeln, Regionalität und fairem Handel…

Foto: Bürger AG für regionales und nachhaltiges Wirtschaften

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