„Uns ist es gelungen, fairen und direkten Handel in die Produktion einer extrem hochwertigen und leckeren Schokolade münden zu lassen. Purer Genuss, mit der wir uns im kommenden Jahr auch bei Wettbewerben anmelden werden.“ Dr. Frauke Fischer, Nachhaltigkeitsbotschafter von PERÚ PURO

In der Löwengasse 18 versuchen wir beim Arbeiten auf fair gehandelte Schokolade zu achten… Da sie etwas teurer ist, essen wir automatisch weniger 🙂

Auch unseren Botschaftern und uns selbst fällt die Berücksichtigung von fairem Handel im Beruf oft einfacher als im Privatleben, weil das Geschäft auf Prinzipien ausgerichtet ist. Sei es das Catering für Veranstaltungen oder beim Obst und Kaffee im Büro. Klar, dass hier Wert auf fair und bio gelegt wird. Doch im Privatleben machen oft Zeitdruck und Bequemlichkeit einen Strich durch die Rechnung. Im Job ist man Lieferanten und Kunden verpflichtet, im Privatleben scheinbar niemandem, sodass man den Konsum mit dem eigenen Gewissen ausmachen muss… Wie schaffen wir es also, dass wir uns auch anderen Menschen und der Umwelt gegenüber verpflichtet fühlen – und zwar ohne Bauchweh?

Josef Schnitzbauer, Nachhaltigkeitsbotschafter und Regionalleiter der Filiale Frankfurt der GLS Gemeinschaftsbank eG sagt dazu: „Fairer Handel ist ganzheitlicher Handel. Wie weit sind wir damit, bio, ökologisch und fair zusammen zu denken? Wie sah die Fairtrade Landschaft vor 10 Jahren aus? Wie sieht sie heute aus? Gibt es überhaupt noch Fairtrade ohne bio? Was gibt der Deutsche für Fairtrade aus und wie ist das im Vergleich zu Bio? Warum wird das überhaupt als Gegensatz wahrgenommen?“

Es geht also darum, das Thema erstmal zu verstehen und vielleicht auch neu zu entdecken. Zudem brauchen wir Vorbilder: „Die öffentliche Hand hat eine große Rolle, in Bezug auf Beschaffung. Es muss nicht mehr zwingend das Günstigste Angebot genommen werden. Und wie kriegt man das Thema in die KMUs und in den Einzelhandel? Wie kann ich das Thema in Schulen platzieren? Thema Bildungsaspekt. Beim Thema Finanzen geht es mir um Bewusstsein, dass Geld ein Instrument ist, um die Welt zu verändern.“

Vorbilder und Geschichten über Fairen Handel

Doch wir brauchen mehr Vorbilder, mehr Emotionen, die im Hirn anders hängen bleiben als pure Fakten. Wir brauchen Geschichten, bequeme Lösungen und attraktive Angebote, damit wir unser Verhalten ändern.


„Jenny war in Indien und hat bei den Fischerbooten gesehen, dass sie nicht fischen konnten, weil entweder alles dreckig war oder nichts da. Franzi arbeitet im Kunstmuseum, da hat ein Kind ein Huhn mit drei Beinen gemalt, weil es keine Beziehung dazu hat, wo das Essen herkommt. Dass es jemanden gibt, der das Huhn gefüttert, transportiert und geschlachtet hat. Das wissen viele nicht mehr. Strohhalme am Strand sind die Plastikstäbchen von Ohrenstäbchen, die ins Klo geschmissen werden, und über die Kanalisation wieder ins Meer kommen. Unternehmen, die Ohrenstäbchen machen, sollten wissen und sich darum kümmern, was damit angerichtet wird.“   Christine Müller, Nachhaltigkeitsbotschafterin gramm.genau


Aus all den gesammelten Informationen und Fakten entstehen auch Kontroversen: Sollen wir auf Ohrenstäbchen verzichten? Ist der faire Biokaffee, gehandelt ohne Zwischenhändler, nachhaltig, wenn er in biologisch abbaubaren, CO2 neutral verbrennbare Kaffeekapseln verkauft wird? Oder geht das aus Prinzip gar nicht?

Wir sagen: Lasst uns eine Kultur leben, die nicht schwarz-weiß ist, sondern bunt – und damit auch offen für die Bequemen unter uns, die wegen George Clooney  eine Maschine Daheim stehen haben (das betrifft natürlich keine*n unserer Leser*innen, ist klar! :).

„Ich bin sehr stolz, wie schnell unsere Kunden die Produkte und ihren Wert verstehen (Frischhaltefolie wiederverwendbar) und mit uns versuchen in kleinen Schritten die Welt stetig zu verbessern. Wenn jeder mit seinen Möglichkeiten einen Teil beträgt, können wir gemeinsam auch großes bewegen.“ Kristina Parr, Nachhaltigkeitsbotschaftein von ever&again

Lasst uns also noch mehr Chancen wahrnehmen: Koppeln wir den  Fairnessfaktor an Mehrwerte wir Gesundheit und Fitness, lasst uns mehr Bilder zeichnen, in denen wir als Konsumenten die „helping hands auf der Erde“ sind.

Letztendlich fasst es unsere pragmatische Nachhaltigkeitsbotschafterin Stefanie Niehüser von Valcucine Küchendesign zusammen: „Es ist eigentlich so einfach. Aber wir machen es uns durch die diversen Zertifikate wie „fair gehandelt“, „Bio“ oder „Regional“ unnötig kompliziert. Kauft dort ein, wo Ihr wisst was Ihr bekommt und wo Ihr Euch und den Produzenten gegenüber ein gutes Gewissen habt. Es gibt so viele Bauern und Produzenten in Deutschland, die auch völlig ohne Zertifizierung fair, bio und regional sind.“ Und, das erlauben wir uns zu ergänzen, da wir nicht auf Kaffee und Avocados, auf Schokolade oder Rum verzichten wollen: Geht bei Produkten, die es eben nicht regional produziert gibt,  zum Weltladen oder Händler um die Ecke, dort ist fairer Handel nämlich mehr als ein Siegel.

Die Kampagne ‚Fairer Handel ist mehr als ein Siegel‘ soll zu mehr Verständnis für die Zusammenhänge und Hintergründe führen, Vertrauen aufbauen zu unseren Betrieben vor Ort und somit dazu beitragen, dass Ihr fairer handeln könnt. Zurück zur Übersicht mit weiteren Artikeln zu Siegeln, Regionalität und fairem Handel…

Foto: Laura Steinmann

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