Neulich bei der Lust auf besser Leben gGmbH …

„Keine Zeit“

Wer mich in den letzten Jahren erlebt hat, hat wahrscheinlich einen gehetzten Eindruck mitgenommen. Wenn man mich gefragt hat, wie es mir geht, war die Antwort meistens: „Wirklich super!“. Und das war ernst gemeint! Ich habe zwei wirklich ganz wunderbare Söhne, eine glückliche Beziehung, einen erfüllenden Job mit der inspirierendsten Partnerin, die man sich vorstellen kann, einem engagierten und zuverlässigen Team und einer Vielfalt abwechslungsreicher Projekte, die mir nicht nur ein gesichertes Einkommen ermöglichen, sondern auch anspruchsvolle Herausforderungen bieten… Was wünscht man sich noch mehr?

Eigentlich wünsche ich mir seit langer Zeit nichts mehr. Eher weniger. Denn dadurch, dass ich so reich an wunderbaren Einzelteilen in meinem Leben bin, habe ich gefühlt für jedes einzelne zu wenig Zeit. Ich weiß, Klagen auf hohem Niveau. Aber wenn ich Zeit mit den Kindern verbracht habe, hatte ich das Gefühl, die Firma zu vernachlässigen. Wenn ich gearbeitet habe, hatte ich das Gefühl, die Kinder zu vernachlässigen. Freundschaften habe ich leider auch nicht gepflegt. Und ich selbst hatte sowieso immer das Gefühl, unter die Räder zu kommen. Sport? Haha. Wie das halt so ist, als vollarbeitende Mutter, die gleichzeitig auch noch gute Partnerin, soziales Wesen und selbständiges Individuum sein will.

Viele werden dieses Gefühl des Hamsterrads kennen. Marlene und ich haben lange versucht, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen: Reduktion der Wochenarbeitszeit, Handy und Laptop am Wochenende weglegen, etc. Im Kleinen haben solche Maßnahmen mir auch geholfen, aber das Gefühl der Zerrissenheit ist doch immer geblieben. Bis diesen Sommer.

„Wie können wir die Vorteile mit in das Leben nach Corona nehmen?“

Der erste Corona-Lockdown 2020 hat mir geholfen, Perspektiven zu ändern. Auf einmal war Zeit für Dinge da, über die ich vorher nicht mal nachgedacht hätte. Karaokeabende mit den Kindern, ausgedehnte Spaziergänge, gemeinsame Mahlzeiten, nach denen man noch stundenlang am Tisch sitzen bleibt und erzählt, selbstverständliches Home Office, das sich nicht wie ein Arbeitsplatz zweiter Klasse anfühlt, sondern wie der eine Ort, an dem ich wirklich arbeiten kann und will.

Diese neuen Erfahrungen haben mich ins Grübeln gebracht: Warum konnte ich das vorher nicht? Was ist anders? Und wie kann ich die schönen Dingen mit in das Leben nach Corona nehmen, ohne wieder in das alte Hamsterrad zu steigen?

Und dann kamen da täglich Hundevideos von meinem Sohn. Moritz wünscht sich schon seit Jahren einen Hund, Jacob auch. Ich eigentlich auch. Aber ein Hund in meinem Alltag? Wie sollte das denn bitte gehen?

Durch unseren neuen Corona-Alltag drängte sich immer mehr der Gedanke auf, dass es vielleicht doch gehen könnte. Warum eigentlich nicht? Nach gründlichen Überlegungen und vielen Gesprächen in der Familie haben wir uns tatsächlich für eine Fellnase entschieden. Und wenn schon, dann auch für eine, die nicht nur auf dem Sofa liegen will: einen Australian Shepherd. Im August war es dann soweit: Bailey ist unser neues Familienmitglied geworden.

Und was soll ich sagen? Bailey war 2020 für mich wahrscheinlich die nachhaltig wertvollste Entscheidung überhaupt. Es gibt keine Entschuldigungen mehr fürs Stubenhocken. Bailey möchte raus, bei Wind und Wetter. Mehrmals am Tag. Er möchte lernen, er möchte erzogen werden, und wir möchten für ihn da sein. Auf einmal geht all das, was ich vorher für unmöglich gehalten habe: lange Spaziergänge mit den Kindern müssen nicht mehr erzwungen werden, die Koordination von Arbeitsslots, die Spaziergänge zwischendurch ermöglichen, das Absprechen von Kundenterminen, wenn keine Hundebetreuung organisiert werden kann. Bailey war schon bei zig Videokonferenzen dabei, fühlt sich sowohl in unserem Büro als auch in der Naturstein-Werkstatt seines Herrchens wohl und hat die Übergabe des Spendenschecks von New Office bereichert (s. Foto). Ich erlebe aktuell, wie Kinder, Arbeit und Freizeit nicht nur gut unter einen Hut zu bekommen sind, sondern mir in Bezug auf meine seelische, psychische und körperliche Ausgeglichenheit selbst guttun. Das ist für mich ein wichtiger Teil gelebter Nachhaltigkeit geworden und ich freue mich darüber jeden Tag.

Alles Liebe

Eure Alex


PS: Wer Tipps für nachhaltige Produkte im Hundeleben hat, immer gerne her damit. Mit was man sich so beschäftigen kann … Hundefutter, Körbchen, Leine, Spielzeug… Da geht die Recherche von Neuem los, gerade als man dachte, die Kinder seien aus dem Gröbsten raus 🙂

 

 

 

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