Im Gespräch mit Gabriele Acker-Bialek von MANIOR über heimische Hölzer, soziale Nachhaltigkeit und kurze Wege im Vertrieb: „Wir müssen raus aus der Ökoecke – Design und Nachhaltigkeit müssen keine Widersprüche sein!“ 

Wir haben mit Gabriele Acker-Bialek über die Wege ihrer Holzmöbel gesprochen, von denen jedes Stück ein Unikat ist. In diesem Gespräch wird auf wunderbare Weise deutlich, dass es einen großen Unterschied macht, wenn Unternehmer sich mit dem ‚Warum‘ ihres Kerngeschäfts beschäftigen.

Wenn Gabi redet, spürt man ihre Liebe zum Holz und ihre Begeisterung. Man merkt, dass sie sich über jedes Detail Gedanken gemacht hat. Sie erklärt: „Bei Lebensmitteln und Kleidung greifen wir Konsumenten heute verstärkt zu ökologischen und fairen Produkten, wir beziehen Ökostrom und fahren möglichst wenig Auto. Aber was ist mit den schönen Dingen, die uns täglich umgeben – unseren Möbeln und Accessoires? Sollten diese nicht auch nachhaltig, zeitlos und einmalig sein?“

Nachhaltigkeit beim Möbelkauf noch nicht präsent?

Wenn sie so fragt, klingt die Antwort eindeutig und logisch. Aber wenn es so klar ist, warum kaufen wir dann in der Masse bei günstigen Möbelgroßhändlern? Gabi glaubt, dass ‚Nachhaltigkeit‘ aktuell bei Möbeln noch meist mit Shabby Chic und Upcycling in Verbindung gebracht wird.

„Aber damit erreichen wir die Masse der Menschen nicht. Nicht jeder möchte einen Palettentisch im Wohnzimmer stehen haben. Bei 90% ist die Bedeutung von Nachhaltigkeit beim Möbelkauf noch nicht angekommen – verrückterweise über alle Preiskategorien hinweg. Es gibt ja durchaus Leute, die bereit sind, für Möbel größere Geldbeträge auszugeben, aber da spielen dann eher Prestige und Marke die entscheidende Rolle. Und in den Köpfen ist Design mit Nachhaltigkeit noch nicht in Kombination zu haben. Wir müssen aus dieser Ökoecke rauskommen, um viele Menschen zu erreichen.“

Optik statt Herkunft und Transparenz?

Ich frage nach: „Und in der Massenindustrie wird Nachhaltigkeit nicht mitgedacht?“ „Die Transparenz der Lieferkette gerade bei Holz ist wirklich eine Herausforderung. Ich habe den Eindruck, dass überall Nachhaltigkeit draufsteht, aber wenn ich mir die Produkte z.B. auf Messen im Detail ansehe, dann geht es primär um Optik und weniger um Herkunft. Das aus den Tropen stammende Mahagoniholz geht zum Glück nicht mehr, weil die Farbe nicht mehr trendy ist. Bei Teak auf der Terrasse wird immer betont, dass das Holz aus nachhaltigen Plantagen kommt, aber dafür stehen die Bäume auf Plantagen, für die alte Bäume gefällt wurden, und die 150 Jahre brauchen, um nachzuwachsen. Darüber hinaus haben diese Hölzer enorme Wege hinter sich gebracht. Und auch über die Glaubwürdigkeit dieser Siegel kann man sich streiten.“

Holz ein zweites Leben schenken: Kombination von Design und Nachhaltigkeit

Ich frage sie, wie sie selbst aus diesem Dilemma rauskommt. „Die Hölzer für unsere Unikate werden mit großer Sorgfalt ausgewählt. Ursprünglich stammen sie aus alten Häusern und Scheunen und erzählen ihre ganz eigenen Geschichten. Diesen Hölzern schenken wir ein zweites Leben.“

Das ist ja großartig! Sie erklärt mir, dass ihre Produkte ein gehobenes Preisniveau haben und nicht mit IKEA verglichen werden können, weil sie handgefertigt werden und Handarbeit in Deutschland kostenintensiv ist.

„Meine Objekte werden mit einem hohen Arbeitseinsatz hergestellt und dies lohnt sich auch nur bei einem hochwertigen Material. Da kommt eigentlich primär Eiche in Frage, da sie die höchste Wertigkeit besitzt. Deshalb frage ich mich, wo kommt meine Eiche her? Ich suche in einem Radius von 300km um Frankfurt die Hölzer von Scheunen und Häuser, die manuell zurückgebaut wurden.“

Sie erklärt mir, dass sie bevorzugt diese alten Hölzer verwendet, weil sie kürzere Wege hinter sich haben, eine schönere Patina besitzen und keine industrielle Verarbeitung stattgefunden hat. „Wir suchen permanent nach besonderen Hölzern. Unsere Balken und Bretter sind über 100 Jahre alt. Sie werden vorsichtig ausgebaut, von Nägeln befreit und aufwändig gereinigt. Wir wählen unsere Hölzer mit Bedacht aus und fügen nur passende Stücke zusammen. Und da jedes Holz eine eigene Textur hat und manchmal auch noch die Markierungen der ursprünglichen Zimmerleute aufweist, entstehen echte Unikate – im Zeitalter der maschinellen Massenproduktion etwas ganz Besonderes!“

Soziale Herstellung – die Welt mit jedem Produktionsschritt ein Stückchen besser machen

„Und wie geht der Weg der Unikate weiter, wenn die richtigen Hölzer gefunden sind?“ frage ich sie. „Jetzt folgt traditionelle Handarbeit in einer sozialen Schreinerei in Hessen. Mir ist es wichtig, die Welt mit jedem Produktionsschritt ein kleines Stückchen besser zu machen. Dies ist der Grund dafür, dass die Produkte von MANIOR durch besondere Menschen hergestellt werden: von jungen Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance auf eine Berufsausbildung haben. Die Jugendlichen durchlaufen die normale 3-jährige Lehrzeit für Schreiner, machen Ihren Abschluss und die meisten starten danach erfolgreich in ihr Berufsleben. Auf diese Weise leistet MANIOR einen praktischen und nachhaltigen sozialen Beitrag.“

Spitze! Da wird hochwertiges Material mit hochwertigem Handwerk verbunden und junge Menschen profitieren auf ihrem persönlichen Lebensweg davon.

Um den Prozess vollständig zu durchleuchten, frage ich Gabi nach ihren Vertriebswegen. „Beim Verkauf ist es mir wichtig, entweder regional zu verkaufen oder – wenn es nicht regional ist – größere Mengen zu verschicken. Ich versende kein Einzelstück nach Berlin, denn ich finde es widersprüchlich, bei den Rohstoffen Wege zu sparen und alte Hölzer zu verwenden und dann beim Verkauf nicht auf die Wege zu achten und für die aufwändigen Verpackungen indirekt Bäume fällen zu lassen. Deshalb verkaufe ich auch nicht über Online-Handel, sondern an Unternehmen, die Nachhaltigkeit „leben“ oder am liebsten direkt an regionale Kunden.“

Das ist konsequent. Es wäre schön, wenn mehr Unternehmer*innen ihre Wertschöpfungskette so konsequent an Nachhaltigkeitsaspekten orientieren würden und Konsumenten diesen Aufwand honorieren.

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