Im Interview mit Juliana Holtzheimer vom Hamburger Modelabel Jan’n June, für die Nachhaltigkeit und eine transparente Lieferkette selbstverständlicher Markenkern sind.

Für Designerin und Gründerin Juliana sind alle Wege ihrer Produkte von Bedeutung: die Herkunft der Rohstoffe über die Weiterverarbeitung ebenso wie die Frage, wie ihre Produkte zu ihren Kundinnen und Kunden kommen.

Ein Kleidungsstück durchläuft viele Stationen. Die Stoffe kommen aus verschiedenen Ländern. Im Falle von Jan’n June werden sie in Portugal und Polen weiterverarbeitet. Doch Europäische Produktion ist nicht selbstverständlich, meint Holtzheimer.

Europäische Produktion ist nicht ganz leicht für kleine Labels

Die Gründerin erklärt mir, dass es anfangs schwer war, die Lieferkette nach ihren Wünschen zu gestalten, „denn die Produktionsstätten sind aufgrund der Wirtschaftlichkeit oft an Mindestmengen gekoppelt“.

Für Juliana und ihre Co-Gründerin Anna  war es dennoch von Beginn an wichtig, nicht zu viel „hin und her“ zu transportieren. Die Gründerin möchte deshalb die Produktion in Fernost nicht verteufeln, betont sie. „Dort kann man auch fair produzieren“, meint Juliana. Doch für ihr eigenes Label habe sie sich für kurze Wege entschieden.

Doch was hat es damit auf sich? In der „Lieferkettentiefe“ sei Transparenz für sie je nach Stoff unterschiedlich möglich.

Vom Design über den nachhaltigen Rohstoff bis zur Fertigung

Bei Naturfasern liege die Transparenz im Tier 3-Bereich. Das heißt, die Herkunft der Rohstoffe ist ebenso bekannt wie der Zulieferer ihres Stoffes, der dann in Polen verarbeitet wird. Die Produktionsstätte in Polen ist dann ein Tier 1, also ihr direkter Zulieferer.

Die Wege ihrer Produkte seien dennoch sehr unterschiedlich: „Unser weißer Blusenstoffhersteller bezieht zum Beispiel GOTS-zertifizierte Biobaumwolle aus den USA. Der Garnhersteller sitzt in Deutschland. In Tschechien wiederum die Weberei, die das Garn zum Stoff verwebt. Die liefert dann nach Bempflingen in Deutschland zum Hersteller (Firmensitz+ Lager), von dort aus geht es nach Polen zu Fertigung.“ Das muss man erstmal durchblicken wollen, denke ich, und höre gespannt weiter zu.

„Manchmal ist es auch so, dass ein Stoffhersteller bereits fertige Garne einkauft, die dann woanders herkommen. Grundsätzlich sind wir im Bereich der nachhaltigen Stoffe tatsächlich noch etwas eingeschränkt. Die Auswahl ist noch klein und wir brauchen dann auch die Zertifikate wie das GOTS Siegel“, erklärt Juliana. Diese garantieren Bio-Anbau, Fairness und Transparenz in der gesamten Lieferkette.

Das klingt logisch, denn ein kleines Unternehmen wie Jan’n June hat natürlich keine eigene Abteilung, die alles vor Ort überprüfen kann. Da scheinen Siegel wirklich angebracht zu sein und zu helfen. Doch weiter geht es: „Unser Zentrallager ist momentan noch unser Büro.“

Die Wege der Mode-Verpackung: Mehr Verpackung zum Schutz oder mehr Ausschuss?

Ich frage Juliana nach der Verpackung. Denn bei Mode aus dem Online Handel macht diese oftmals viel Müll, der letztendlich auch Wege vor und hinter sich hat.

„Unsere Ware kommt aus den Produktionsstätten unverpackt an. Das ist so bei den normalen Fashion Brands nicht üblich, die jedes Produkt einzeln in Tüten packen. Wenn die Ware in unserem Online Shop bestellt wird, schicken wir sie zum Schutz eingewickelt in recyceltes Seidenpapier. Pappkartons, die wir aufgrund von Retouren auch zurückerhalten, werden wiederverwendet.“

Gehen “kurze Wege“ denn zulasten anderer Produktmerkmale, frage ich Juliana. Ja, meint sie. Die Auswahl bei Stoffen und Zutaten ist noch nicht so groß. Erschwerend hinzu kommt, dass für ihre Kundinnen und Kunden die Wege kein entscheidendes Kaufkriterium seien.

Transparenz durch Code statt Eco-Label

Auf ihren Produkten hat das junge Label Jan’n June einen scanbaren Code angebracht. Sie selbst seien aufgrund der Kosten nicht mit einem „Eco Label“ zertifiziert, doch so können die Kundinnen und Kunden, wenn sie es denn möchten, die Wege  des entsprechenden Kleidungsstücks nachvollziehen.

 

Viele wollen nachhaltige Mode

„Insgesamt macht es mich stolz, dass so viele Leute mittlerweile nach nachhaltiger Mode schauen und es sich nicht so einfach machen mit den Aussagen „Ist mir zu teuer“ oder „Ich weiß nicht, wo ich Fair Fashion bekomme“. Gerade online gibt es schon viele Alternativen und ich sehe den Online Handel hier wirklich als Vorteil! Auch finde ich es toll, dass wir nun ein ‚German Fashion Council‘ haben. Dessen Einfluss ist zwar noch ausbaufähig, aber es  fördert bereits auch nachhaltige Brands und macht Mentoring für den Nachwuchs“ erzählt sie begeistert.

Bildnachweise: Lena Scherer

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